Der Archäologie mit dem Rad auf der Spur

Am Freitag, dem 4. September, konnte man während einer dreistündigen Führung Archäologie unmittelbar in Altenstadt erfahren. Und das nicht im Museum, sondern auf dem Fahrrad.

Knapp 30 Radfahrerinnen und Radfahrer haben sich bei idealen Bedingungen getroffen, um an der 17. archäologischen Fahrradtour des Wetteraukreises über 19 km, in Kooperation mit der Gemeinde Altenstadt und dem Verein KULTURplus teilzunehmen.

Das Thema lautete „mens sana in corpore sano – in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“. Ganz nach diesem Motto erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine beeindruckende Reise durch verschiedenen Zeitepochen.

„Gerade solche Touren zeigen, dass Archäologie nicht nur in Museen stattfindet. Die Fundstellen und Bodendenkmäler gehören zu unserer Kulturlandschaft und erzählen uns viel darüber, wie die Menschen hier über Jahrtausende gelebt haben. Dieses Wissen zu vermitteln und für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen, ist eine wichtige Aufgabe der Kreisarchäologie“, so Birgit Weckler, 1. Kreisbeigeordnete des Wetteraukreises. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dominic Imhof führte Dr. Lindenthal, Kreisarchäologe des Wetteraukreises, aus, dass entlang der Nidder ein fruchtbarer Lössboden besteht und in der Region der Limes als UNESCO-Weltkulturerbe entlang verläuft. „Altenstadt wurde erstmals 767 n.Chr erwähnt. Die Kelten, die Römer und die Germanen sind schon wesentlich früher in diese Region vorgedrungen und haben die faszinierende Landschaft geschätzt und dieses schon seit Jahrhunderten“, wie Hans E. Seum, KULTURplus Altenstadt, ergänzte.

Der erste Halt war im Altenstädter Ortskern in der Obergasse. Hier bestand ein Kastell der Römer, welches von Dr. Lindenthal ausführlich beschrieben wurde. Weiterhin berichtete er anhand einiger Schautafeln über die vielen Funde, die bei den Ausgrabungen entdeckt wurden. Besonders bemerkenswert war ebenfalls ein Lager im Wald an der Bonifatiusroute, vermutlich aus der Jungsteinzeit, welches verschieden geformte Steine enthielt, die als Beile damals benutzt wurden.

Weiter ging es dann zum Kloster Engelthal. Die Klosteranlage wurde um 1268 von Zisterzienserinnen errichtet und seit 1962 ist es eine Benediktinerinnen Abtei.  In 2008 wurden beim Neubau des Süd- und Westflügels, umfangreiche Materialien aus dem Mittelalter in der Klosterlatrine gefunden, aus denen sich wichtige und interessante Erkenntnisse für die Archäologen ergeben.

Auf dem Weg zum nächsten Halt gönnten sich die Radfahrer:innen eine wohlverdiente Pause mit einem wunderbaren Blick auf die Streuobstwiesen in Oberau – beim Apfel. Anschließend ging es entlang des Limes und Dr. Lindenthal erläuterte mit Schaubildern die Wichtigkeit der damaligen römischen Grenzführung mit ihren Anlagen.

Weiter führte die Radtour über die Waldsiedlung nach Lindheim. Im Demandt’schen Park, am Hexenturm, wurde über die Geschichte des Hexenturmes berichtet. Von den Zeiten der Hexenverbrennung um 1660 bis zum Tod von Leopold Ritter von Sacher-Masoch im Jahr 1895. Abschließend erfolgten weitere Erläuterungen über archäologische Besonderheiten des Ortsteils aus verschiedenen Epochen.

Mit vielen Impressionen und geschichtlichem Wissen ging es für die Radler:innen zurück zur Altenstadthalle. Bei der Radtour konnte erneut gezeigt werden, dass sich Archäologie nicht nur in staubigen Archiven wiederfindet, sondern ein Teil unseres Alltags und unserer Heimat ist.

Die Frage nach dem Ort der 18. Tour des Wetteraukreises kam abschließend auf, welches für die gelungene Veranstaltung spricht.