U3-Betreuung in Altenstadt - Tagespflege u. Kita-Betreuung stellen keine Konkurrenz dar

Der Kreis-Anzeiger hat in seiner Ausgabe am 18.07.2018 nachstehenden ausführlichen Bericht über die Kindertagespflege in Altenstadt veröffentlicht:

Zu Besuch bei Tagesmüttern und einem Tagesvater in Altenstadt

ALTENSTADT - Manchmal geht es drunter und drüber im Spielzimmer einer Tagesmutter. Max will unbedingt die Holzklötzchen stapeln, Anna sieht auf dem Kuschelteppich eine Puppe, stürmt drauf zu und reißt das Türmchen um. Lotte wiederum will unbedingt auf den Stuhl, auf dem Jonas schon sitzt. Das Gezeter ist groß. Und dann kommt noch Jule (die Namen sind frei erfunden) und möchte mit dem Bilderbuch in der Hand auf den Schoß der Tagesmutter krabbeln. Die behält den Überblick, beruhigt alle und findet noch Zeit fürs Vorlesen ...

Der Kreis-Anzeiger besuchte zwei Tagesmütter und einen Tagesvater in der Gemeinde Altenstadt, erhielt Einblick in den Tagesablauf und erfuhr beim Blick hinter die Kulissen, dass für die Kindertagespflege in den eigenen vier Wänden hohe Maßstäbe gelten. Das musste nicht zuletzt Faith Ann Kayser erfahren. "Um 50 Zentimeter war das Fenster zu schmal", sagt die junge Frau zur Vorgeschichte. Seit 2007 betreute sie als Tagesmutter Kinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren in einer Souterrain-Wohnung in ihrem Haus in Lindheim. "Natürlich wird vorher geprüft, ob die Wohnung für die Kindertagespflege geeignet ist", sagt sie. Die Größe der Spiel- und Schlafräume wird begutachtet, ebenso werden Sicherheitsvorkehrungen und Fluchtwege kontrolliert. Doch auf einmal sei das Fenster ein Problem gewesen. Kayser erkundigte sich, ob ein größeres Fenster eingesetzt werden könne. Doch die Statik ließ einen Umbau nicht zu. Den Spielraum ins eigene Wohnzimmer zu verlegen, kam für sie nicht in Frage. "Das will ich voneinander trennen, die Arbeit als Tagesmutter und mein Privatleben." In Lindheim fand sich ein leer stehendes Haus zur Miete, das sowohl ihren Vorstellungen als auch den behördlichen Anforderungen entsprach. Und der Eigentümer freut sich, dass sich jemand um das Haus kümmert. In Eigenregie renovierte sie die beiden Stockwerke, und im November zog die Kindertagespflege "Krabbelmäuse" in ihr eigenes Kinderhaus. Das hat nun zwei Spiel- und zwei Schlafräume, eine Küche und ein Bad mit einem extra niedrigen Kinderwaschbecken. Und vor dem Haus ist ebenfalls viel Platz zum Spielen.


Auch bei Familie Newman in Höchst erkennt der Besucher beim Blick in den Garten, dass hier viele kleine Kinder unterwegs sind. Spielzeug liegt auf der Terrasse, Stühlchen stehen an einem niedrigen Tisch. Blickfang ist der übergroße Kinderwagen. In dem bugsiert Tagesvater John Newman die Kleinen durch den Ort zum Spielplatz. Anders als Kayser haben die Newmans das große Wohnzimmer für "Daddys Daycare" zum Spielzimmer umgerüstet. "Als ich in Elternzeit war, merkte ich, wie viel Spaß mir die Betreuung meiner Kinder macht", sagt der zweifache Vater, der seit zwei Jahren in Höchst lebt, zu seinen Beweggründen. Anfang des Jahres begann er mit der Qualifizierung zum Tagesvater. "Es gibt wenig männliche Bezugspersonen für Kinder in der Betreuung", sagt er. Doch er räumt auch ein, dass Männern gegenüber weniger Vertrauen entgegengebracht wird. "Nicht nur, weil man uns die Erziehung nicht zutraut, sondern weil Geschichten über Missbrauchfälle durch Männer gegenüber Schutzbefohlenen Skepsis hervorrufen." Das war auch seine größte Sorge, dass ihm weniger Vertrauen geschenkt werde. Doch seine Erfahrung ist eine andere. Vielleicht auch, weil bei ihm die Kinder zweisprachig - in deutscher und englischer Sprache - betreut werden. Der 32 Jahre alte Kalifornier, der perfekt deutsch spricht, war eine Zeit in Büdingen bei der Army stationiert, arbeitete als Rettungssanitäter und lernte dort auch seine Frau Kerstin kennen. Mit den Kindern spricht er erst Deutsch und wiederholt das Gesagte auf Englisch. Die Sprache fließt so in den Alltag ein. "Ich verspreche aber nicht, dass die Kinder dann fließend englisch sprechen."


Tagesmutter mit Leidenschaft ist auch Erika Glodczey in Lindheim. 1995 machte die gelernte Bürokauffrau die Betreuung von Kindern unter drei Jahren zu ihrem Lebensmittelpunkt. Erst im Großraum Frankfurt, dann im Main-Kinzig-Kreis. Vor einem Jahr zog sie mit ihrem Mann nach Lindheim. Den Neubau planten Glodczeys so, dass die Kindertagespflege genügend Platz hat. Und auch hier ist schon am Eingang zu erkennen, wer das Sagen hat. Ordentlich aufgereihte kleine Fortbewegungsmittel geben einen Hinweis, dass es den Kindern an nichts fehlt, was zum Spielen gebraucht wird. "Ich gehe gerne mal auf Flohmärkte und schaue nach günstigem, gut erhaltenem Spielzeug", sagt die 62-Jährige. Viel hat sich verändert, seit sie als Tagesmutter anfing. Vor allem gab es zu Beginn noch keine so umfangreichen Gesetze und Vorschriften wie heute. Doch das sei in Ordnung, stellt sie fest, und will noch so lange wie möglich weiter machen. "Die Knochen tun nicht weh, man macht noch jeden Blödsinn mit und im Kopf bleibe ich auch jung", sagt sie lachend.


Zu diesem Thema führte der Kreis-Anzeiger auch mit der Koordinatorin für die Tagespflege, Susanne Blei von der Gemeindeverwaltung Altenstadt, folgendes Interview:

Altenstadt setzt für Kleinkinder auf Betreuung in familienähnlichem Umfeld

ALTENSTADT - (asl). Die Kinderbetreuung ist in der Gemeinde Altenstadt vielseitig aufgestellt. Neben den kommunalen Einrichtungen gibt es einen Waldkindergarten in Elterninitiative, eine private Kinderkrippe sowie Tagesmütter und -väter. Gerade die Betreuung von Kindern unter drei Jahren erfährt mittlerweile eine große Nachfrage, und Altenstadt bemüht sich, die Betreuung durch Tagesmütter und -väter bekannter zu machen und weitere Frauen und Männer zu finden, die Spaß an dieser Arbeit mit Kindern haben. Der Kreis-Anzeiger sprach mit Susanne Blei, Koordinatorin der Kindertagespflege in der Verwaltung, weshalb sich die Gemeinde dafür verstärkt einsetzt.

Wie viele Kinder unter drei Jahren werden derzeit in den kommunalen Einrichtungen betreut?

In unseren kommunalen Einrichtungen können 47 Kleinkinder betreut werden. In Altenstadt gibt es zwölf, in der Waldsiedlung fünf, in Höchst, Oberau und Lindheim jeweils zehn Plätze. Die Belegung der Krippenplätze ist in ständigem Fluss. Da die Kinder mit Vollendung des dritten Lebensjahres in die Kitagruppen wechseln, sind immer wieder Plätze für die nächsten Krippenkinder frei. Nicht zu vergessen die private Kinderkrippe "Wirbelwind" in Höchst, wo derzeit 24 Kleinkinder betreut werden.

Wie viele Tagesmütter und -väter gibt es in der Gemeinde und wie viele Plätze für Kinder unter drei Jahren werden in diesem Rahmen angeboten?

In der Großgemeinde Altenstadt sind zurzeit neun Tagespflegepersonen tätig. Zwei weitere möchten Anfang nächsten Jahres an den Start gehen. In diesem Segment können momentan mindestens 44 Kleinkinder betreut werden.

Weshalb möchte die Gemeinde das Angebot in der Kindertagespflege forcieren? Hat das finanzielle oder pädagogische Gründe?

Die Gemeinde unterstützt die Tagespflege, weil wir der Meinung sind, dass Kleinstkinder im Alter von einem bis drei Jahren oder jünger in einer familienähnlichen Situation betreut werden sollten. Der Übergang von zuhause in eine "Fremd"-Betreuung ist für die Mehrzahl der Kinder hier entspannter als in einer großen Einrichtung. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Kindertagespflege zu fördern. So übernehmen wir die allgemeine Öffentlichkeitsarbeit und unterstützen die Altenstädter Tagesmütter und Tagesväter finanziell mit einem Euro pro Stunde für die Betreuung eines in Altenstadt lebenden Kindes.

Sind Tagesmütter und -väter nicht eine Konkurrenz für die kommunalen Kindergärten?

Nein, eben nicht. Die private Kindertagespflege ist keine Konkurrenz für unsere Kitas, sondern sie ist ein wichtiger Teil unseres breiten Angebotes. Dieses Angebot werden wir weiter ausbauen. Die Plätze der Tagespflege in Altenstadt sind Bestandteil unseres kommunalen Bedarfsplanes. Das ist möglich, weil alle Tagesmütter und Tagesväter die Qualitätsstandards erfüllen. Dazu zählen eine Pflegeerlaubnis des Jugendamts und Nachweise über Aus- und Fortbildung (siehe Infokasten). Wir möchten, dass die Eltern zwischen verschiedenen Angeboten wählen können. Noch ist unser Ziel nicht erreicht, aber wir sind auf einem guten Weg

Welche Vorteile hat die private Kindertagespflege aus Ihrer Sicht denn gegenüber den kommunalen Kindertagesstätten?

Eine Tagespflegeperson ist in puncto Betreuungszeiten flexibel. Sie kann sich auf die Arbeitszeiten der Eltern einstellen, wenn diese beispielsweise im Schichtbetrieb oder am Wochenende in der Gastronomie oder in der Pflege ihr Geld verdienen. Deshalb sind Tagespflegepersonen auch keine Konkurrenz zu dem Angebot der Kitas, sondern eine Ergänzung.

Seit wann gibt es eigentlich Tagesmütter und -väter in der Gemeinde Altenstadt? Welche Erfahrungen haben Sie als Ansprechpartnerin mit ihnen gemacht?

Tagesmütter gibt es schon seit 21 Jahren in Altenstadt. Die Erfahrungen mit den Tagespflegepersonen möchte ich als durchweg positiv bezeichnen. Wir tauschen uns regelmäßig zielführend aus und pflegen einen freundschaftlichen Umgang.


Text: Kreis-Anzeiger vom 18.07.2018
Bilder: A. Schinzel


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Jörg Fichtl
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